Macht & Konflikt um die / in der Stadt (2011)

6. Treffen des NWNW Stadt Raum Architektur, Berlin, 2011

Call

The question of what kind of city we want cannot be divorced from that of what kind of social ties, relationship to nature, lifestyles, technologies and aesthetic values we desire. The right to the city is far more than the individual liberty to access urban resources: it is a right to change ourselves by changing the city. (David Harvey, 2008, The Right to the City.)

Es brodelt. Immer häufiger wird in Bürgerprotesten das „Recht auf Stadt“ eingefordert. Die Auseinandersetzungen um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 reißen nicht ab. Mit dem Manifest „Nicht in unserem Namen“ erreichten Hamburger Bürger den Rückkauf des Gängeviertels durch die Stadt und die Initiative „Die Stadt gehört uns“ macht gegen die Privatisierung städtischer Betriebe mobil. In Dresden gab der Bau der Waldschlösschenbrücke den Anstoß zum öffentlich ausgetragenen Streit um den UNESCO-Weltkulturerbestatus des Elbtals. Und in Paris brennen immer wieder die Vorstädte. Diese Konflikte spielen sich ab im komplexen Geflecht aus neoliberaler Stadtpolitik, institutioneller Stadtplanung, partizipativer Bürgerbeteiligung, informeller und zum Teil auch instrumentalisierenden Protestbewegungen und gesteigerter medialer Aufmerksamkeit. Begriffe wie Segregation, Gentrifizierung und unternehmerische Stadt sind längst nicht mehr nur Teil wissenschaftlicher Diskurse, sondern haben sich in die Alltagsterminologie eingeschrieben. Gleichzeitig wird etwa versucht, soziale Brennpunkte durch Initiativen wie das Programm Soziale Stadt frühzeitig zu entschärfen, produktiv zu machen oder zu vermitteln. Doch was verbindet oder trennt diese aktuellen Auseinandersetzungen in und um Städte? Welche Konfliktlinien zeichnen sich ab?

Das Nachwuchsnetzwerk Stadt Raum Architektur sucht Beiträge, die sich theoretisch und/oder empirisch mit städtischen Konflikten und Machtfragen um und in der Stadt beschäftigen. Dabei liegt unser Fokus auf der Frage nach dem typisch Städtischen an diesen Auseinandersetzungen. Welche Akteure und Institutionen, Interessen und Ideen werden mobilisiert? Wie erreichen sie mediale Aufmerksamkeit und werden öffentlich wirksam? Wie wird partizipative Beteiligung an Stadtplanungsprozessen motiviert und welchen Beitrag kann sie zur Vermittlung dieser Konflikte leisten? Welche Rolle spielt die spezifische Materialität des Städtischen? Kurz, in welchem Verhältnis stehen das Räumliche und das Soziale?

Der Call richtet sich ausdrücklich an NachwuchswissenschaftlerInnen aus allen Disziplinen, die sich mit Stadt und städtischen Phänomenen beschäftigen. Für die Auseinandersetzung mit dem Thema können auch historische Betrachtungen aufschlussreich sein.

Ort
WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH), Reichpietschufer 50, Berlin (zur Veranstaltungsseite des WZB)

Programm
Freitag 14.10.2011
Einstieg: Perspektiven der Theorie und Empirie:

  • Grischa Bertram: Von der Renaissance der Stadt zu einem neuen städtischen Protest? (NWNW6 Abstract Bertram)
  • Henriette Horni: Konflikt in der Stadt – Stadt im Konflikt: Spezifisch städtische Ausprägungen gesamtgesellschaftlicher Konfliktkonstellationen am Beispiel der Stadt Belfast (NWNW6 Abstact Horni)
  • Stephan Barthel: Geographien von Vulnerabilität. Eine Analyse am Beispiel der Gemeinde Penalolén (Santiago de Chile) (NWNW6 Abstract Barthel)

Parallelsession: Machträume/Machdiskurse:

  • Hendrik Weiner: Medienarchitektur – Machtsymbol oder urbaner Motor (NWNW6 Abstract Weiner)
  • Daniel Leis: Die Würde wahren auch im Niedergang – Die Neugestaltung der Piazza di San Marco in Venedig im 18. Jahrhundert (NWNW6 Abstract Leis)
  • Herman Köhler: Die neue Sichtbarkeit des Islam als Integrationsinstitution? Die Auswirkungen eines Sakralbaus auf das Zusammenleben in der Stadt am Beispiel repräsentativer Moscheen (NWNW6 Abstract HKoehler)
  • Marian Günzel: Von der diskursiven Fixierung von Bedeutung zum Konflikt um die Stadt (NWNW6 Abstract Guenzel)
  • Christiane Reinecke: Topographien der Ungleichheit: Sozialräumliches Wissen und die Verortung sozialer Spannungen im urbanen Raum in den 1960er und 1970er Jahren (NWNW6 Abstract Reinecke)
  • Elena Mirzoyan: Das bauliche Erbe und Modernisierung: Aktuelle Denkmalschutzdiskurse in Dresden und St. Petersburg (NWNW6 Abstract Mirzoyan)

Vortrag von Prof. Dr. Margit Mayer, FU Berlin: Aktuelle Auseinandersetzungen in & um die Stadt: welche Rolle spielt Urbanität?

Samstag 15.10.2011
Parallelsession: Konfliktlinien:

  • Laura Calbet i Elias: Spekulation in Wohnimmobilien und städtischer Wandel (NWNW6 Abstract Calbet)
  • Katharina Wischmann: Nobody move, nobody get hurt – St. Pauli zwischen Verlust und Bewahren (NWNW6 Abstract Wischmann)
  • Julia Behrens & Kerstin Stark: Investoren oder Bürgern – wem gehört die Stadt? Stuttgart21 als Kristallisationspunkt wachsender Unzufriedenheit mit der Stadtentwicklung und politischen Beteiligungsmöglichkeiten (NWNW6 Abstract Behrens)
  • Achim Schroer: „Conservation wars“: Englische Denkmalinitiativen zwischen Bewegung und Institutionalisierung (NWNW6 Abstract Schroer)
  • Alexander Mewes: Konflikte in kleinen Stadtgesellschaften (NWNW6 Abstract Mewes)
  • Robin Köhler: Räumliches Eingreifen in Dortmund im 14. Jahrhundert. Öffentlichkeiten und ihre Macht bei Konflikten (NWNW6 Abstract RKoehler)

Organisation

  • Eva Christina Edinger (eva-christina.edinger@uni-konstanz.de)
  • Maik Hömke (mhoemke@ethz.ch)
  • Janet Merkel (jmerkel@wzb.eu)
  • Nona Schulte-Roemer (schulte-roemer@wzb.eu)

Programm NWNW 6 Macht und Konflikt in PDF-Version

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